Freitag, März 15

Rollenspiel ist keine schwarze Kunst

Es wird vielleicht doch Zeit nochmal etwas zu schreiben. Die letzten Tage haben eine stille Verzweiflung bei mir ausgelöst.

Der 20 Jahre alte Artikel von Robin Laws über Spielertypen wurde gleich in zwei Blogs derartig grässlich besprochen, dass der Mann mir leid tut. Ich habe mir verkniffen darauf hinzuweisen wie lange Laws überholt ist und wo der Diskussionsstand der "Rollenspieltheorie" (Ja, sowas gibt es) mittlerweile steht. Man kann es nicht zwingend auf SL übertragen und abgesehen davon ist es anstrengend eine Diskussion zu wiederholen die man schonmal geführt hat.

Was mich WIRKLICH geschockt hat, war etwas anderes...

"Ich schaue mir das Setting gerne mal an, aber ich traue es mir nicht zu". Das war sinngemäß der Satz den ich in den letzten Tagen mehrfach gehört habe. Inzwischen beginne ich mir die Frage zu stellen ob die Leute Rollenspiel für Hexenwerk halten.

"Würfel mal Attribute und such dir das Bild aus das dir am besten gefällt" - das war meine Einführung ins Rollenspiel. Klar hatten andere mehr Ahnung als ich (Manche hatten sogar *gasp* "Dungeons and Dragons" schon gespielt!), aber es wäre nie einer auf die Idee gekommen zu sagen dass man "sich das Spiel nicht zutraut". Im Gegenteil - mit 15 wurde dann auf "Hârnmaster" umgestiegen. Trotz des Namens ist das ein ganz furchtbar realistisch dröges Spiel über ein Low Fantasymittelalter und zeichnet sich durch die hochkomplexe Welt und Regeln aus, bei denen der Verlierer eines Kampfes am Schwert krepiert und der Sieger am Wundbrand. Das Spiel ist notorisch für seinen "Realismus" - damals hat uns das nicht im geringsten gekümmert. Keiner wusste was ein "Freisasse" oder ein "Vogt" eigentlich ist. Völlig egal, da waren Schwerter drin und wir wussten wo "vorne" ist.

Wenn mir Leute mit leuchtenden Augen von Gor erzählen, dann meinen sie damit meistens das Geschwurbel in Jasmine, dass - jedenfalls laut meinen Quellen - im wesentlichen völliges Chaos war. Aber es hat den Leuten gefallen.

WARUM hat man sich das auf Gor angetan, aber heute quengelt man gleich "Ohh, ich traue mir Setting XY nicht zu..."? Es will nicht in meinen Kopf woher die Angst kommt man blamiert sich vor jemandem. Wer auch immer dieser "Jemand" ist..

Wo liegt das Problem einfach zu "spielen"?. Auf Gor hat doch auch keiner Skrupel "irgendwas" zu spielen. ERHEBLICH spannender als die Welt ist, dass man einen spannenden Charakter baut. Ich habe aber den leisen VErdacht, dass in SL-Gor derjenige als "guter Rollenspieler" zählt, der möglichst viel Ahnung von der Welt hat. Eben das... ist ein Trugschluss.

Ein guter Rollenspieler ist der, der einen interessanten Charakter baut. Und DAS kann wirklich jeder, völlig egal wie komplex die Welt ist. "Tallarn der Kartograph" hat zwar die Bedeutung eines "hârnischen Clans" während er gespielt wurde nie verstanden - aber trotzdem erinnert sich meine Runde noch an ihn und seine Gefährten, einfach weil wir damit einen Heidenspaß hatten.

Man, spielt doch einfach!

11 Kommentare:

  1. Du siehst das aus der Perspektive des altgedienten P&P-Spielers, für den es noch normal war, sich auf Cons zu irgendeiner Runde zu setzen und ... zu spielen.
    Ich erinnere mich an unsere Ars Magica-Anfänge, als einer unbedingt "Brunhilde das Henkersweib" spielen wollte. Was das in Ars Magica heißt, muss man niemandem erklären. Aber es hat Spaß gemacht. Es war Gewalt gegen jedes Setting - aber Fun.

    Man bekommt über das P&P-Spielen einfach eine Leichtigkeit im Umgang mit dem Konzept Rollenspiel, die einem in SL sofort mit der Nagelkeule ausgetrieben wird, da dort häufig die perfekte Weltsimulation samt Alltag, Handel, Diplomatie und Kuchenbacken im Mittelpunkt steht. Das "Spiel" verliert gegenüber der "Rolle" viel zu stark an Boden.

    Ja, ich bin ein Vertreter von "harten" Settings. Ich mag Lore (meistens) und möchte innerhalb des geschlossenen Systems Konsistenz (soll heißen: Hausregeln und Haussetting - aber durchgezogen!). Aber ich habe nicht vor, mich vor irgendjemandem dafür zu verantworten, dass meine irre Criamon-Magierin einst samt Brunhilde lachend auf der Couch lag.

    Rollenspiel versus Lifestyle. Das isses immernoch.

    Und natürlich: P&P-Spieler zu sein berechtigt Dich in SL dazu, dein Auto auf den Behindertenparklplatz zu stellen. :D

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  2. Der Satz mit dem "Nicht zutrauen" kommt ja nicht von ungefähr. Wie will man ohne jede Ahnung zB von Vampiren einen interessanten Charakter überhaupt erstellen? Was spielt man, wenn man die Umgebung gar nicht kennt, bzw. sein Nichtwissen aus Filmen hat, die für den "Kenner" ein rotes Tuch sind.

    Im günstigsten Fall wird man ignoriert, einer der übleren Varianten wäre, wenn das eigene RP dann später in irgendwelchen Blogs verrissen wird.

    Wären die Mitspieler nicht so kritisch, würden sich bestimmt mehr trauen. Da bin ich ganz sicher.

    LG Mel/Nelly

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    1. Einfache Möglichkeit wäre, sich die auf 90% aller Sims angebotenen NCs durchzulesen (bei Carcassonne hatten wir drei, vier davon. Nicht zuviel Text und knapp alles zusammengefasst) oder einen der "Altgedienten" um Hilfe zu bitten (standen bei uns als Ansprechpartner mit ausdrücklichem Wunsch um Kontaktaufnahme in eben jenen NCs). Die beißen nämlich meistens nicht.
      Geht man aber mit der festen Überzeugung hin, dass man dort nach "Filmwissen" spielen WILL (MUSS!!) und akzeptiert nichts anderes, ist das eben ein sicherer Weg, die "Ureinwohner" zu verstören.

      Niemand verlangt einen Doktor in Settingslore. Nirgendwo. Nur den Willen, sich mit Spaß auf das Setting einzulassen. Und MIT den anderen zu spielen.

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    2. Ich kenne die NCs nicht. Ich vermute aber, wenn sie ausführlich genug gewesen wären UND wenn ihr weniger kritisch gewesen wäret, hättet ihr sicher mehr Zulauf gehabt.

      Die Menschen hinter den SL-Püppchen sind nicht alle so dumm, faul und ignorant, wie ihr sie gelegentlich seht bzw. darstellt.

      LG Mel/Nelly

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    3. Wir hatten Zulauf. Carcassonne ging ein, weil wir RL zuwenig Zeit hatten. Wir haben aufgehört als wir abends so zehn bis zwanzig Spieler auf der Sim hatten. :D

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    4. Das erinnere ich anders. Zum Schluss war in Carcassonne niemand mehr. Wobei ich auch nicht sagen würde, dass das an Informationsmangel oder Unfreundlichkeit der Simowner gelegen hätte. Beides war sicher zur Genüge vorhanden, aber die Spielzeit eben nicht und wenn nur einmal im Monat 10 Spieler auf einer Sim spielen, ist sie auf dauer nicht erfolgreich.

      Was danach kam, bsp Deepwood Motte lag schon eher an den Ownern, die ihre Antipathie gegenüber bestimmen Leuten zu sehr raushängen ließen.

      Man muss sich sowas auch nicht schön reden, weil man grundsätzlich stolz darauf sein kann, wenn man einen Versuch startet in SL etwas aufzumachen und aufzubauen, egal wieviel Erfolg man letztlich damit hat, weil man sich damit von den "Laberheinis" abgrenzt und zumindest versucht etwas an den bestehenden Problemen in der Community zu ändern.

      Wir werden mit Sicherheit keine Freunde mehr, aber so schwarz wie ihr sehe ich Rollenspiel in SL nicht, weil es immer wieder Leute geben wird, die Sachen ausprobieren, neu erfinden und sich zusammentun.

      Naja, bis dann.

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  3. Zwanzig Spieler nicht... das hätte die Sim ja nicht verkraftet - sagen wir mal eher so um die 10. "Voll" war sie nur bei der legendären Fußballspielerkirchenfeier ;-)

    Und nein, Mel - die Menschen sind nicht zwingend dumm, faul und ignorant. Ich glaube da liegt auch eine Wahrnehmungsverzerrung vor - klar lachen wir Typen wie Barth (Experte für ALLES!) herzhaft aus. Nur - man kichert über den Typen ja, weil er sich in die Öffentlichkeit stellt und sein Unwissen in die Welt posaunt.

    Ich würde da als Beispiel eher "Rosalie", das Kind von "Remy de Tolosa" nehmen. Die dahinterstehende Spielerin hatte überhaupt keine Ahnung vom Setting und wusste das Vampire Blut trinken. Mittelalter - Fehlanzeige. World of Darkness - Zero. Trotzdem hatte Rosalie echten Spaß am Setting und ist mir als echte Bereicherung des Spiels in Erinnerung. Das liegt aber auch daran weil sie sich auf das Spiel eingelassen hat, losgespielt hat und wenn sie mal nicht weiterwusste entweder ingame Unwissenheit erklärt hat oder Zasta im IM gefragt hat.

    "Ausgelacht" werden üblicherweise die Leute, die sich mit ziemlichem Unwissen nach draussen exponieren. Wie Barth übr Rollenspieltheorie. Oder Barth über WoW.

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  4. Lieber Adran,

    Neid ist bekanntlich die aufrichtigste Form der Anerkennung, und wenn ich mir hier deine Post plus deine Kommentare dazu so durchlese, komme ich zu dem Schluss, dass dir momentan im Angesicht des Erfolgs von Turmus der Neid förmlich aus allen Poren trieft.

    Nea Narstrom hat mit ihrem Turmus-Plot etwas in Second Life erreicht, was Dir in der Form und Umfang bisher absolut nicht gelungen ist. Das Setting ist dabei recht herzlich egal, ebenso nun wie veraltet ein Laws sein mag oder auch nicht. Für sie hat er funktioniert und einzig und alleine das ist wichtig, ob man da nun schon weiter ist oder nicht, das sind die typisch verkopften Akademikerdiskussionen, die bis auf einige wenige Leute selbst keinen Mensch sonderlich interessieren.

    Du magst ein guter Theoretiker sein, nur ist das nicht weiter wichtig, denn einzig und alleine was wirklich zählt ist die Praxis. Nur weil ein Bäckergeselle das Basisrezept fürs Brötchen backen kennt, bedeutet das noch lange nicht, dass er das auch kann. Und die Praxis in Sachen Communitybuilding geht dir im Vergleich zu Nea deutlich ab.

    In dem Sinne wünsche ich Dir noch weiterhin viel Spass bei deinen Theoriediskussionen hier, und du darfst gerne meinen Namen in dem Kontext auch weiterhin so häufig benutzen, wie du es willst. Je mehr und länger du dir über mich das Maul zerreißt, umso bekannter werde ich noch durch dich und eine bessere, kostenlose Werbung kann ich mir kaum vorstellen. Danke dafür!

    In dem Sinne
    Dein Fan Bart

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  5. Ich bin einigermaßen verstört was denn Turmus damit zu tun hat? Ich mag Nea und gönne ihr jeden Erfolg den sie hat. Und ich halte sie für eine ziemlich gute Rollenspielerin weil sie in der Tat spannende Charaktere spielt. Nur möchte ich - anders als Nea - gar keine Community bauen... Die Schnittpunkte zwischen mir und Turmus sind dann vorhanden, wenn Nea mich nochmal als NPC für einen Abend brauchen sollte.

    Aber das es deinem Blog inzwischen so schlecht geht dass du von den 2 Klicks die hier pro Tag eingehen profitieren kannst, das tut mir aufrichtig leid. Evtl. richtet dir ja Zasta eine Hilfsorganisation ein? Alternativ könntest du doch einfach über Dinge schreiben von denen du Ahnung hast - das Lesen die Leute sicher wieder ;-)

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  6. Moin

    Interessanter Beitrag!

    Natürlich muss man kein Setting-Experte zu sein um einen tollen Character zu spielen. Vielleicht sind an Kommentaren wie "das trau ich mir nicht zu" auch die öffentlichen Diskussionen zwischen erfahrenen Spielern ein wenig Schuld. Da fass ich mich selbst auch ein wenig an die Nase. Der Versuch des Perfektionismus macht den "Noobs" eben Angst sich zu blamieren oder gar Ärger zu bekommen.

    Dem ist natürlich nicht so. Die allermeissten von uns (einschliesslich mir) lassen gerne mal 5 gerade sein, wenn wir einen neuen Spieler treffen der es eben noch nicht besser weiss. Es ist meines Wissen noch keiner gefressen worden, der es einfach mal versucht hat. Man erinnere sich an Midnight. Die hatte die gleichen Sorgen am Anfang, hat es trotzdem versucht und Spass gehabt. Ok, Sie hatte mehrere gute Mentoren, und genau das empfehle ich den Neuen: Sucht Euch einen Mentor!

    Aber: ein wenig Grundwissen sollte man schon mitbringen, sonst nervt man die Spieler die Spass an der "Wiedererkennung" des Genres haben. Gor ist da das beste Beispiel dafür. Da gibt es nun mal flächendeckende Ignoranz des Settings (bei langjährigen Spielern!). Dabei ist es ganz einfach: Einfach ein oder zwei der Bücher lesen. Das reicht völlig um ein "feeling" für das Setting zu bekommen. Die Details sind doch reine Erbsenzählerei und meisst sowieso nur "onlinismen":

    Also bischen vorbereiten, etwas über den Character Gedanken machen und ins kalte Wasser springen und nicht gleich aufgeben, wenn es nicht gleich klappt.

    Der Sleen

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  7. Leben und Leben lassen, nicht Fressen und gefressen werden..gilt für Alte genauso wie für Neue RPler

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